{"id":44,"date":"2013-12-27T22:27:17","date_gmt":"2013-12-27T20:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heilbronn.rote-hilfe.de\/?page_id=44"},"modified":"2013-12-27T23:40:26","modified_gmt":"2013-12-27T21:40:26","slug":"gefangenen-schreiben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.heilbronn.rote-hilfe.de\/?page_id=44","title":{"rendered":"Gefangenen schreiben"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt heute in der Linken wohl kaum politisch arbeitende Menschen, Gruppen oder Organisationen, die sich im Laufe der Zeit nicht durch staatliche Repression in ihrer politischen T\u00e4tigkeit verfolgt oder behindert sahen. Auch wenn wir aus unterschiedlichen K\u00e4mpfen und Bewegungen kommen (wie z.B. aus antifaschistischen,antirassistischen Zusammenh\u00e4ngen,aus der Antiatom und\/oder der Umwelt und \u00d6kologie-Bewegung, und\/oder uns am Kampf gegen Krieg und Kapitalismus beteiligen) Gerade klassenk\u00e4mpferische und antikapitalistische Organisierung die sich nicht zu Kompromissen und Zugest\u00e4ndnissen an das kapitalistische System hinrei\u00dfen l\u00e4sst, wird auf kurz oder lang mit staatlicher Repression konfrontiert und das letzte Repressionsinstrument des Staates ist das Gef\u00e4ngniss. In unserem Kampf gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse d\u00fcrfen wir gerade diejenigen, die aufgrund ihrer politischen T\u00e4tigkeiten und \u00dcberzeugungen hinter Gittern sitzen nicht vergessen und damit alleine lassen. Dabei kann es f\u00fcr uns keine Rolle spielen ob sie im Sinne des b\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs \u201cschuldig\u201d oder \u201cunschuldig\u201d sind. Sie sind ein Teil von uns, sie sind unsere Genossinnen und Genossen und brauchen unsere Solidarit\u00e4t. Getroffen werden einige &#8211; gemeint sind wir alle!<br \/>\n<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Solidarit\u00e4t muss praktisch werden: Schreibt den gefangenen Genossinnen und Genossen!<\/strong><br \/>\nF\u00fcr die Gefangenen aus unserer Bewegung, unseren Zusammenh\u00e4ngen und unseren K\u00e4mpfen (wie z.B. Streiks, Kriegsdienstverweigerung, Mitglieder aus revolution\u00e4ren Gruppen usw.), also diejenigen die wir im weitesten Sinn als politische Gefangene definieren, ist es enorm wichtig sie weiterhin in den weitergehenden Widerstand miteinzubeziehen. Das hei\u00dft ihnen von Aktionen zu erz\u00e4hlen, ihnen Zeitschriften zu schicken (wenn sie diese wollen) und mit ihnen ggfls. Strategien und Ideen zu diskutieren. Sicherlich gibt es Einige die nichts mehr von Klassenkampf und Revolution h\u00f6ren wollen, und die nur noch ihre Strafe absitzen m\u00f6chten. Dies m\u00fcssen wir selbstverst\u00e4ndlich respektieren. Doch gerade f\u00fcr die mei\u00dften der politischen Gefangenen gilt dieses nicht. Im Gegenteil, ist gerade f\u00fcr die politischen Gefangenen sehr wichtig, weiterhin von den K\u00e4mpfen \u201cdrau\u00dfen\u201d etwas mitzubekommen und soweit wie m\u00f6glich mit einbezogen zu werden. &#8222;Politische&#8220; werden in der Regel selbst im Knast (u.a. auch von den anderen Gefangenen) isoliert, (Isolationshaft). Zus\u00e4tzlich kann es (wie bei anderen renitenten Gefangenen nat\u00fcrlich auch) zu Angriffen der W\u00e4rterInnen (Rollkommandos) kommen, dazu k\u00f6nnen weitere Schikanen (wie z.B. Beleidigungen, Bel\u00e4stigungen) sowie weitere versch\u00e4rfte Restriktionen kommen. So kann ein Brief den hellsten Punkt eines Tages hinter Gittern ausmachen.<br \/>\nDas Leben im Knast ist tot langweilig, und jegliche Nachricht die etwas Licht bringt, egal ob sie von einer bekannten oder unbekannten Person kommt, ist stets willkommen. F\u00fcr Inhaftierte z\u00e4hlt daher der Erhalt von Briefen zu den wenigen Lichtblicken im allt\u00e4glichen Grau des vor-sich-hin-lebens in der Anstalt. Hinter den Mauern mit Stacheldraht, Wacht\u00fcrmen und bewaffneten Schlie\u00dfern gibt es kaum menschliche N\u00e4he und Gef\u00fchle, sondern Unterordnung und der t\u00e4gliche Kampf ums \u00dcberleben. Aber eine M\u00f6glichkeit, diese Mauern der Passivit\u00e4t und K\u00e4lte zu \u00fcberwinden, ist das Schreiben von Briefen an Gefangene . Es schafft eine Abwechslung und gibt die M\u00f6glichkeit die eigenen Gedanken zu erweitern und die Isolation ein st\u00fcckweit zu durchbrechen.<\/p>\n<p><strong>Sie sind drinnen f\u00fcr uns, wir sind drau\u00dfen f\u00fcr sie:<\/strong><br \/>\nDie Gefangenen sollen gebrochen werden, indem ihnen jegliche Emotionen, Gef\u00fchle und menschliche N\u00e4he vorenthalten werden. Der regelm\u00e4\u00dfige Kontakt mit ihnen, sei es durch Briefe, Telefonate oder Besuche, ist das einzige Mittel, die von den Herrschenden befohlene und von den Knastw\u00e4rtern praktizierte Kontrolle \u00fcber das t\u00e4gliche Leben zu durchbrechen.<\/p>\n<p><strong>Wie schreibe ich Gefangenen?<\/strong><br \/>\nWenn du Unterst\u00fctzung oder gar eine Kampagne f\u00fcr eineN GefangeneN anbieten m\u00f6chtest, so ist es am besten realistisch zu bleiben, bez\u00fcglich dessen was du auch wirklich erreichen und umsetzen kannst. F\u00fcr jemenschen, der\/die eine sehr lange Zeit hinter Gittern verbringen mu\u00df, kannst du wie ein sehr starker Hoffnungsschimmer erscheinen &#8211; es ist wichtig die Hoffnung aufrecht zu erhalten, aber keine falschen Illusionen zu kreieren. Wenn einE Gefangene\/r dir glaubt, und diese Erwartungen dann nicht erf\u00fcllt werden so kann dies durchaus in Desillusion und Depression enden.<\/p>\n<p><strong>Wie fange ich an zu schreiben?<\/strong><br \/>\nEines der Hauptprobleme, das Leute davon abh\u00e4lt Inhaftierten zu schreiben, ist da\u00df sie es nicht gewohnt sind einer fremden Person zu schreiben und von ihren Erlebnissen zu erz\u00e4hlen. Sie wissen nicht, was sie schreiben sollen und denken, dass sie mit dem, was sie aufs Papier bringen, den Menschen auf der anderen Seite der Mauern deprimieren k\u00f6nnten oder es ihn\/_\/sie gar nicht interessiert. Nun, es handelt sich dabei um ein Problem, das die meisten von uns erstmal \u00fcberwinden m\u00fcssen, deshalb haben wir hier einige Tips und Vorschl\u00e4ge zusammengestellt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich handelt es sich nicht um starre Richtlinien, und wir geben auch keinesfalls vor alle Probleme gel\u00f6st zu haben. Unterschiedliche Menschen schreiben eben auch unterschiedliche Briefe. Doch wir hoffen das diese Tips hier doch einige anregen werden und helfen k\u00f6nnen in Briefkontakt mit inhaftierten Genossinnen und Genossen zu treten.<\/p>\n<p>Um im sogenannten Sinne \u201edas Eis zu brechen\u201c ist es besser den ersten Brief eher kurz zu halten und nur die n\u00f6tigsten Sachen zu schreiben, damit der\/_\/die Empf\u00e4nger_in nicht gleich \u00fcberrumpelt wird.<br \/>\nBesonders wenn du sie nicht vor ihrem Haftantritt gekannt hast, m\u00f6chten sie evtl. mehr \u00fcber dich wissen, wie dein Leben aussieht usw. Benutze deinen Verstand und dein Mitgef\u00fchl. Sobald sich ein Briefkontakt zwischen euch beiden &#8222;eingespielt&#8220; hat, werdet ihr euch mehr zu erz\u00e4hlen haben. Sage vielleicht auch in deinem ersten Brief ein paar kurze Worte zu deiner politischen Einstellung, so da\u00df der\/die Gefangene entscheiden kann, ob er\/sie mit dir in Kontakt bleiben m\u00f6chte.\u00a0Sage wo und wann du von seinem\/ihrem Fall geh\u00f6rt oder gelesen hast. Ob du dich eingehender vorstellen m\u00f6chtest, ist nat\u00fcrlich dir alleine \u00fcberlassen, dennoch ist es sinnvoll ein paar Worte \u00fcber dich und zu deiner Motivation der Kontaktaufnahme zu schreiben. Falls du es als notwendig erachtest, schreibe welcher Gruppe\/Organisation oder politischen Str\u00f6mung du angeh\u00f6rst. Aber bedenke, dass die Briefe nicht nur von dir und dem\/_\/der Gefangenen gelesen werden. Achte darauf nichts zu schreiben was sowohl dich (mit den staatlichen Repressionsorganen \u201cdrau\u00dfen\u201d) wie den\/die Gefangene\/n &#8211; in Schwierigkeiten &#8211; mit dem Knast bringen kann.<\/p>\n<p>Bei Gefangenen in Untersuchungshaft werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Briefe\/Postkarten von der Staatsanwaltschaft gelesen. In der Strafhaft ist dies nicht der Standart. Bei renitenten Inhaftierten ist dies hingegen aber eher die Regel als die Ausnahme, sowie oftmals das Verschwindenlassen und\/oder das Nichtaush\u00e4ndigen von Briefen. Nummeriere die einzelnen Seiten deines Briefes um vorzubeugen, dass einzelne Seiten \u201everloren\u201c gehen. Auch ist es sinnvoll die Briefe fortlaufend zu nummerieren und immer das aktuelle Datum reinzuschreiben. Dies hilft dabei zu erkennen, ob der Brief aufgehalten und die Auslieferung verz\u00f6gert wurde. Liste au\u00dferdem alle Beilagen, wie Briefmarken, Brosch\u00fcren, Zeitungsausschnitte o.\u00e4. auf, denn auch solche Dinge verschwinden gerne mal.<\/p>\n<p>Auf deinen Briefumschlag solltest du stets die Adresse des\/der AbsenderInnen draufschreiben, nicht nur damit der\/die Inhaftierte dir antworten kann, sondern auch weil einige Gef\u00e4ngnisse keine Briefe ohne AbsenderIn durchlassen. Nat\u00fcrlich mu\u00df dies nicht unbedingt deine eigene Adresse sein. Briefe werden regelm\u00e4\u00dfig von den staatlichen \u00dcberwachungs- und Repressionsorganen aufgehalten, gelesen, verz\u00f6gert oder gar \u201everlegt\u201c. Eine M\u00f6glichkeit, mit der ein Verschwinden von Briefen zu einem Gro\u00dfteil unterbunden werden kann, ist der Versand per Einschreiben. Die Post notiert ob und wann sie den Brief der JVA \u00fcbergeben hat. Somit ist im Fall des Falles nachpr\u00fcfbar, auf welchem Wegabschnitt er \u201everschwand\u201c. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch daf\u00fcr nicht.Wenn du glaubst, da\u00df ein Brief von der Knastaufsicht aus dem Verkehr gezogen worden ist, frage am besten gleich nach dem Grund dieser Zensur. Jede Haftanstalt hat eigene Regelungen f\u00fcr den Briefverkehr, teilweise gibt es Begrenzungen f\u00fcr die Anzahl der Seiten und\/oder Beilagen usw. Informiere dich, ob die Anzahl der Briefmarken\/Postkarten\/ sonstige Beilagen (wie z.B. Zeitschriften, Flugbl\u00e4tter) die Gefangene(n) erhalten k\u00f6nnen begrenzt ist. Oftmals kann es Sinn machen sich bei beigelegten Zeitschriften auch auf die Zeitschrift bzw. einen besonderen Artikel der beilgelegten Zeitschrift\/oder Zeitungsausschnitt im Brief zu beziehen, da das dann als verl\u00e4ngerter Anhang des Briefes gilt und es rechtlich schwieriger f\u00fcr die Anstalt wird das ggfls. nicht auszuh\u00e4ndigen, (da wie gesagt in einigen Anstalten der Erhalt von Zeitschriften begrenzt ist.)<\/p>\n<p>Bedenke das die meisten Gefangenen sicherlich keine Million\u00e4rInnen sind weshalb sich die Gefangenen auch mei\u00dftens \u00fcber Briefmarken freuen. (allein um dir ggfls. zur\u00fcckzuschreiben) In der Regel ist es in den mei\u00dften Haftanstalten erlaubt (mindestens\/bis zu) 3 Briefmarken\/Briefumschl\u00e4ge beizulegen. Jede\/s Bundesland\/Haftanstalt hat aber diesbez\u00fcglich inzwischen seine eigenen Regeln.<\/p>\n<p>Informationen \u00fcber die jeweiligen Regelungen findest du meist auf der Website der Kn\u00e4ste, auch kann ein Anruf vor Ort weiterhelfen. Das Verschicken von Packeten ist da schon weitaus komplizierter, da oftmals eh nur 3 P\u00e4ckchen pro Jahr erlaubt sind (waren), und von dem\/der Gefangene\/n eine Packetmarke beantragt werden muss, die er\/sie dir vorher zuschicken muss. Auch der Inhalt von Knastpacketen ist strengen Regelungen unterworfen. In einigen Bundesl\u00e4ndern wurde die M\u00f6glichkeit des Erhaltens von Packeten f\u00fcr Gefangene inzwischen komplett abgeschafft. Informiere dich also vorher in welchen Bundesl\u00e4ndern\/Kn\u00e4sten welche Regelungen gelten.<\/p>\n<p><strong>Durch die Mauern<\/strong><br \/>\nSchlu\u00dfendlich hat das Schreiben an eineN InhaftierteN sehr viel mit gesundem Menschenverstand und dem Benutzen des Hirns zu tun. Die Gefangenen sind eben nicht jene verr\u00fcckten Bestien, wie sie uns die rei\u00dferischen Boulevardmedien glauben lassen m\u00f6chten. Es sind vielmehr ganz gew\u00f6hnliche Menschen, eben wie du und ich. Kn\u00e4ste sind da um Menschen voneinander zu isolieren, deshalb m\u00fcssen wir die Verbindung nach drau\u00dfen aufrechterhalten. Direkte Kontakte mittels Briefverkehr ist einer der sichersten Wege, da\u00df Gefangene nicht der Staatskontrolle alleine \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>Laurinas Mogila der aufgrund \u201cLandfriedensbruch\u201d + Widerstand bei einer Demonstration in Berlin eine 15 monatige Haftstrafe erhielt schreibt in einem Brief \u00fcber die Bedeutung der Solidarit\u00e4t: \u201cZuerst war ich sehr einsam und niemand interessierte sich f\u00fcr mich. Das ist als Gefangener das schlimmste was einem passieren kann. Jetzt ist das aber vorbei und viele zeigen Solidarit\u00e4t! Ich kann heute sagen, sowas gibt einem Kraft, wenn man wei\u00df, das jemand an einen denkt und du nicht vergessen wirst! So eine Erfahrung ist f\u00fcr einen hinter Knastmauern sehr wichtig. (..) Wenn wir alle zusammenhalten, sind wir eine gro\u00dfe Kraft. Die Rote Hilfe ist eine starke und gro\u00dfe Organisation, die in meiner anf\u00e4nglichen schwierigen Lage eine gro\u00dfe Hilfe gewesen ist. Ich w\u00fcnsche sie w\u00e4re auf der ganzen Welt vertreten Ich bin mit meinem ganzen Herzen mit ihr verbunden.\u201d (..)<\/p>\n<p>Aktuelle Adressen findet ihr unter <a href=\"http:\/\/political-prisoners.net\/gefangene.html\">http:\/\/political-prisoners.net\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt heute in der Linken wohl kaum politisch arbeitende Menschen, Gruppen oder Organisationen, die sich im Laufe der Zeit nicht durch staatliche Repression in ihrer politischen T\u00e4tigkeit verfolgt oder behindert sahen. 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